MENSCH UND GEBIRGE

Die besondere territoriale Organisation der Bergzone des Baldo zwischen 900 bis 1600 Höhenlage hatte ihren Ursprung während des 17. Jh., als der lokale Adel seine Besitzungen auch auf die Bergzone ausweitete. Große Flächen, die bis zu diesem Zeitpunkt von den Hirten für die Schafs- und Ziegenzucht benutzt wurden, wurden nun zu wichtigen Sommerweiden für die Rinder. Auf diese Weise entstanden zahlreiche Almhütten, deren territoriale Organisation praktisch bis heute unverändert geblieben ist. Die weiten Weideflächen wurden immer mehr auf Kosten des Waldes ausgedehnt. Auch die zur Hütte gehörenden Gebäude wurden durch Umbau- und Verbesserungsarbeiten von Unterkünften für die Hirten in “baiti” umgewandelt, d.h. in Gebäude für die Milchverarbeitung und die Unterkunft für die Viehhirten während der Almzeit.

pianta

Der “baito” der Almhütte weist eine ähnliche Struktur und vergleichbare Merkmale wie überall in der Baldozone auf: Die “baiti” stehen immer auf lüftigen Graten, um somit die Konservierung der Milch während der warmen Sommermonate zu begünstigen und beherbergen den “logo del latte” (Milchkammer) und den “logo del fogo” (Feuerlokal). Die Milchkammer wurde benutzt, um die Milch in den “mastèle” (breite und niedrige runde Holzbehälter) stehen zu lassen, sodaß sich der Rahm absetzen konnte. Aus ihm gewann man dann die Butter. Damit das Lokal über eine angebrachte Lüftung verfügen konnte, ist es immer im talseitigen Teil des Gebäudes, das oft in halbrunder Form gebaut und mit kleinen mit Steinen und Holzpfählen gesperrten Fenstern versehen wurde, untergebracht.

casara baito

Das Feuerlokal, das hingegen immer bergwärts liegt, besitzt einen charakteristischen Kamin, der über das Gebäude hinausragt, um so Brände des Daches zu vermeiden (am Anfang war dieses aus Sumpfrohr) und einen großen Kupferkessel, in dem die entrahmte Milch zur Weiterverarbeitung in Käse und Quark erhitzt wurde. Unter der Milchkammer befindet sich häufig ein kleiner gewölbter Stall. Er diente als Unterkunft für die neugeborenen Kälber oder krankes Vieh.

Die anderen dazughörenden Gebäude sind die “casare” (Käserei) für die Aufbewahrung und die Reifung des Käse und der “porsil” (Schweinestall), wo die Schweine aufgezogen wurden. Sie wurden mit der Restflüssigkeit der Milchprodution, der Molke, gefüttert. Neben den Gebäuden befanden sich kleine von Trockenmauern abgegrenzte Grundstücke für den Gemüseanbau und die “riserve”, kleine Föhren- und Tannenbaumwälder, die den Tieren während der sonnigen Tage oder während der Nacht als Schutz dienten. Im Weideland der Hütte findet man immer einige “pozze” (große Pfützen), die aus natürlichen mit Lehm wasserdicht gemachten Dolinen bestehen. In ihnen wird das Regenwasser für die Viehtränkung gesammelt.

“Carico” ist der örtliche Ausdruck für die Anzahl der erwachsenen Rinder, die eine Almhütte tragen kann und wird mit dem Ausdruck “paghe”       ausgedrückt. Die Zuweisung der Almhütten an Private oder an Viehzüchtergenossenschaften während der Almsaison erfolgt durch einen Vertrag, der eben auf den “paghe” basiert. Jede “paga” beläuft sich auf einen Wert von 7 bis 10 Kilogramm Butter, je nach der Produktivität der Weiden.

Die Almsaison beginnt gemäß dem Verlauf der Jahreszeiten und der Entwicklung des Grünlandes Ende Mai oder Anfang Juni. Laut Tradition enden die Verträge am 19. September, San Micheltag. An dem Datum versammeln sich die Senner mit ihren Herden in Prada, wo immer noch der Jahrmarkt von Sankt Michel, dessen Ursprünge im 16. Jh. wurzeln, stattfindet.

Auch heute noch werden die Weiden der Almhütten als Sommeralm genutzt und das bedeutet   für die Viehzüchter eine bedeutende Arbeits- und Kostenerleichterung. Die “baiti” hingegen haben durch die modernen Viehzuchts- und Michverarbeitungstechniken ihre traditionelle Rolle verloren: In den vergangenen Jahrzehnten sind sie nicht mehr benutzt oder aufgegeben worden und in vielen Fällen wurden sie einem fortschreitendem und unverdienten Verfall preisgegeben.

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Malga Busa

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Malga Valvaccara

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Malga Zocchi San Zeno di Montagna