GEOMORPHOLOGIE DES MONTE BALDO

Der Monte Baldo besteht hauptsächlich aus Meeressedimentgestein carbonatischer Art, das sich aufgrund von tektonischen Schüben, die von den Brescianer Voralpen auf einer Seite und dem Block der Lessinischen Berge auf der anderen ausgeübt wurden, erhoben hat. Somit ist die sattelförmige Wölbung nach oben (Antiklinale) zustande gekommen, was zu dem charakteristischen strukturellen Aussehen des Berges geführt hat.

Die Faltung des Monte Baldo ist jedoch nicht so einfach und regelmäßig wie es auf dem ersten Blick scheint, da er sowohl eine Biegefalte (zum Teil dann zusammengebrochen und von der Erosion abgetragen) gegen die östliche Seite hin geformt hat (die deshalb eine viel stärker gegliederte Morphologie als die westliche Seite besitzt) als auch zahlreiche Frakturen und Verwerfungen aufweist, die die Kontinuität der Schichten unterbrechen. Letztere sind außerdem weitgehend durch Erosion zersetzt worden.

Das alles zusammen hat dazu gebracht, daß längs der besonderen Gratlinie des Bergrücken des Monte Baldo (der von Nordosten nach Südwesten läuft), sich etwa zehn von über 2000 Metern Meereshöhe hohen Gipfeln aneinanderreihen (M. Altissimo -2079-, Cima delle Pozzette -2132-, Cima del Longino -2179-, Cima Val Finestra -2086-, Cima Valdritta -2218-, Cima del Pra’ della Baziva -2207-, Punta Pettorina -2192-, Punta Telegrafo -2200-, Punta Sascaga -2152-, Vetta delle Buse -2155-, Coal Santo -2072-) und sich mit Satteln abwechseln, die die tiefen Täler und die charakteristischen Kare überragen. Es ist eine außerordentliche Umgebung dank sowohl ihres Panoramas als auch ihrer naturalistischen Besonderheiten.

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Die aktuelle Form des Monte Baldo geht also aus dem Zusammenspiel von zwei Phänomene hervor, die anscheinend in Kontrast stehen, aber in Wirklichkeit seit Millionen von Jahren an der Formung des Berges “zusammenarbeiten”: Einerseits gibt es die “konstruktive” Tendenz aufgrund der Erhebung, die auch heute noch andauert (endogenes Phänomen). Andererseits finden wir eine ganze Reihe von verschiedenen Erosionsphänomen, die den “Zerfall” des Berges begünstigen (exogene Phänomen). Einige davon sind in der Vergangenheit wichtig gewesen, aber haben inzwischen ihre Tätigkeit eingestellt. Man kann jedoch die Spuren ihrer Tätigkeit sehen: Es handelt sich um die Erosion und die Formung von Geröll in Gegenwart der Gletscher während der Eiszeiten, die etwa vor 10.000 Jahren endeten.

Heutzutage sind es hauptsächlich die mit der Dynamik des Wassers verbundenen Phänomene, die dauernd die Form des Monte Baldo verändern, sowohl die auf der Oberfläche fließenden (erzeugen Erosion), als auch die, die in der Tiefe der Felsen tropfen. In der Gipfelzone ist jedoch immer noch die Zerstörungstätigkeit auf der Felsenoberfläche aufgrund des Wechsels von Frost/Schmelze wichtig. Die Tätigkeit der Erosionsphänomene hängt stark von der Natur der Felsen ab (natürlich reagieren die weichen Felsen stärker auf die Erosionstätigkeit von Regen und Frost), von der Struktur der Felsarten und den vorgegebenen Formen des Berges und vor allem von der Anordnung der Felsschichten. Dies verleiht der Gipfelzone die charakteristische Asymetrie der beiden Seiten.

SCHEMA-GEOMORFOLOGIA
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Längs dem östlichem Abhang hat sich eine sekundäre Gratlinie, die das von der Länge her größte Tal des Baldo nach Osten hin abgrenzt, gebildet. Es trägt den Namen “Valle dell’Orsa” oder auch “Valle di Novezza” und es befindet sich fast gänzlich auf dem Gemeindegebiet von Ferrara di Monte Baldo. Die Valle dell’Orso besitzt eine besondere Morphologie: Das Tal beginnt bei Brentino Belluno als schmales und steiles Engtal und nimmt von Spiazzi bis Cambrigar den Charakter eines Flußtales an. Dort wird es ein breites von Weiden bedecktes Tal und endet schließlich ober Novezza mit dem Cavallopaß (oder Cavallo di Novezza auf 1582 Meter Meereshöhe).

Während der Eiszeit, die die Anwesenheit von großen Gletschern in den Tälern der Etsch und des Gardasees bedingt hat, befand sich im Novezzatal eine autonome Gletscherzunge, die von örtlichen Gletscherbecken gespeist wurde. Diese hat einen wichtigen Beitrag zur Modellierung des Tales beigetragen, sowohl wegen der moränischen Sedimenttransporte als auch wegen der Erosion durch das subglaziale Schmelzwasser. Später hat sich das Tal darüber hinaus noch weitergeformt und zwar infolge von breiten Einebnungsflächen aus den mürbsten Felsen, infolge von Felsblöcken durch Erdrutsche und auch durch Flußerosion – das in Zusammenhang mit der Bergerhebung, die noch im Gang war.

Die westliche Seite besitzt eine größere strukturelle Einförmigkeit (tektonische), da sie aus denselben abfallenden Schichten, die die antiklynale Falte bilden, besteht. Aber auch die westliche Seite ist nicht so einheitlich wie es auf erster Sicht erscheint und das aufgrund der intensiven Abbautätigkkeit durch die Erosion, die aufgrund der sehr großen “Abhangenergie” (d.h. aufgrund des erheblichen Gefälle) sehr aktiv ist. Man hebt besonders zwei morphologische Erosionsstrukturen, die für die westliche Seite des Monte Baldo charakteristisch sind, hervor: Die Kare und die „Ferri da stiro“, das sind Bügeleisen, (im Volksmund auch “pale” – das heißt Schaufeln).

Die Kare sind weite kesselförmige Eintiefungen, die von den hängenden Gletscherarmen des großen Sarcagletschers gegraben wurden (im Quartär nahm er das gesamte Becken des jetzigen Gardasees ein). Man zählt sieben Kare, wovon zwei doppelt sind, (Circo del Telegrafo und Circo di Valle Larga, die zwischen Punta Telegrafo, Punta Pettorina und Cima di Pra’ della Baziva liegen). Im höchsten Teil des “Fächers” von jedem Kar hat die Erosion durch den Gletscher die schichtenweise Struktur der Felsen bloßgelegt, während sich im tieferen Teil die Kare talwärts mit charakterischen “Fenstern” öffnen (in denen die Erosiontätigkeit der Gletscher durch die “u” form des Tales sichtbar ist). Letztere dehnen sich über einen langen Abschnitt mit gleichförmigem Profil aus und verlängern sich dann übergangslos in tief geschnittene Sturzbachbetten, die nachfolgend vom fließenden Wasser und dessen Erosion stark geprägt wurden.

Die ferri da stiro (Bügeleisen) (in der Lokalsprache pale “Schaufeln” aber auch mitre Bischofsmützen” wegen der Ähnlichkeit mit der Kopfbedeckung der Bischöfe genannt) sind aufgrund einer ausgedehnten Zersplitterung der Felsen entstanden und das infolge der Formung von einem Netz von Brüchen (Verwerfungen), die die stratographische Serie in rechteckige Prismen unterteilt hat. Daraufhin war die Bergseite jedes Prisma der intensiven Erosionstätigkeit von Wasser und Eis ausgesetzt und wurde so lange modelliert, bis sie ihre typische spitz zulaufende Form bekommen hatte (“Bügeleisen”). Die “Bügeleisen” stehen von unten nach oben in parallelen Reihen und die sind untereinander von Sturzbachklüften getrennt .

Aufgrund der Kalkfelsen befinden sich auf dem Monte Baldo, außer Grotten (unterirdische Phänomene ), zahlreiche Bodenformen, die mit der Korrosion durch Einwirkung des Wassers an der Oberfläche (oberirdische Phänomene) verbunden sind: Dolinen, Uvala, Karrenfelder und Korrosionsmulden.

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Dolinen: Es sind asymetrische Vertiefungen des Bodens äußerst unterschiedlicher Form und Größe, die durch Korrosions- und vorwiegend chemischen Degradationsphänomenen entstanden sind. Der Boden der Doline ist normalerweise mit roter Erde, mit tonigen Sedimenten oder mit Schutt bedeckt In einigen Fällen hat der Boden der Doline eine Öffnung, durch die das Wasser abfließt. Gelegentlich sind sie mit manchmal auch großen unterirdischen Hohlräumen verbunden.

Uvala: Es sind asymetrische und unregelmäßige Vertiefungen, die aus der Zusammenfallung mehrerer Dolinen hervorgehen. Sie haben ein viel größeres Ausmaß als das der einzelnen Dolinen und einen gewundenen und unregelmäßigen Verlauf der Bodenebene mit verschiedenen Neigungen.

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Karrenfelder: Felsenoberflächen, die auf charakteristische Weise von der korrosiven Wirkung des Regenwassers bearbeitet wurden. Der Prozeß erfolgt sowohl auf chemischer Ebene (Auflösung des Kalziumkarbonats, aus dem diese Felsen bestehen) als auch auf physischer Ebene (Abfluß des Regenwassers oder Schmelzwassers). Die felsige Oberfläche, über die das Wasser läuft, wird längs einigen Linien, wo die Auflösung stärker stattfindet, korrodiert. Die Klüfte liegen wegen der Einförmigkeit der Abhangneigung parallel zueinander.

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Korrosionsmulden: Sie sind hohle Formen auf der  Felsenoberfläche, einige Dezimeter breit und einige Zentimeter tief. Sie bewahren oft einen Wasserrest auf dem Grund auf. Sie formen sich aufgrund der korrosiven Wirkung des im dekantierenden  (und nicht ablaufenden)  Wasser enthaltenen Kohlendioxids. Kleine Vertiefungen werden progressiv vertieft.